Schritte in ein
gewaltfreies Leben
Jede Frau hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben. Wir informieren Sie zu Hilfsangeboten und Möglichkeiten, um Wege aus der Gewalt zu finden. Auch wenn Sie helfen möchten oder sich gegen Gewalt engagieren, erhalten Sie hier Materialien und Anregungen.

Notfallkontakte
Gewalt erkennen & reagieren
Das internationale Hilfezeichen
1. Schritt:
Offene Handfläche zeigen
2. Schritt:
Daumen in die Hand legen
3. Schritt:
Hand zur Faust schließen
Formen der Gewalt
Ihnen werden bewusst und wiederholt Schmerzen oder Verletzungen zugefügt. Schlagen, Stoßen, Würgen oder Festhalten sind klare Anzeichen. Auch Drohungen mit physischer Gewalt gehören dazu. Oft beginnt es mit einem ersten Stoß, Tritt oder Griff – und wird mit der Zeit schlimmer.
Was ist häusliche Gewalt?
Erfahren Sie mehr im Video.
Wie kann ich bei Verdacht auf häusliche Gewalt helfen?
Zeichen erkennen
Nicht immer erkennt eine Frau Gewalt sofort oder spricht darüber. Häusliche Gewalt ist häufig schwer erkennbar, da sie nicht immer laut oder offensichtlich auftritt. Mögliche Anzeichen sind sichtbare Verletzungen, Veränderungen im Verhalten, ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld oder Hinweise auf emotionale oder finanzielle Abhängigkeit. In solchen Fällen achte ich verstärkt auf diese Zeichen.
Sorgen ansprechen
Es kann schwer sein, über Gewalt zu sprechen. Doch ein offenes Gespräch ist ein wichtiger erster Schritt und kann Schlimmeres verhindern. Wenn jemand verängstigt oder zurückgezogen wirkt, spreche ich die Person behutsam an. Ich höre zu, ohne Druck auszuüben. Beratungsstellen und Fachkräfte bieten Unterstützung und helfen, Wege aus der Gewalt aufzuzeigen.
Sicherheit und Vertrauen geben
Ich schaffe eine ruhige und sichere Atmosphäre, damit sich die Person öffnen kann. Sie soll spüren: Ich glaube ihr. Ich nehme ihre Sorgen ernst, ohne zu unterbrechen oder zu bewerten. Kritische Fragen wie „Warum gehst du nicht einfach?“ vermeide ich, denn sie setzen die Gesprächspartnerin unter Druck. Stattdessen gebe ich ihr Zeit und bestärke sie. Sie verdient Unterstützung. Es hilft, ihr oft zu sagen: „Du bist nicht allein. Es gibt Wege aus der Gewalt.“
Hilfsangebote aufzeigen
Fachstellen in Niederösterreich helfen mit psychosozialer Beratung, rechtlichen Informationen und Unterstützung in akuten Notlagen. Ich informiere sie über anonyme und kostenlose Hilfsangebote. Was sie dort sagt, bleibt vertraulich. Die Hilfe gibt es in jeder Phase – ob sie unsicher ist, reden möchte oder einen Ausweg sucht. Die Fachstellen bieten auch später Unterstützung, wenn sie ein neues, sicheres Leben aufbaut. Die Beratung kann persönlich, telefonisch oder per Video stattfinden – so, wie es für sie am besten passt.
Geduldig bleiben und begleiten
Jede Frau entscheidet selbst, wann sie etwas ändern möchte. Ich respektiere ihr Tempo und ihre Entscheidungen. Auch wenn ich möchte, dass sie schnell handelt, gebe ich ihr die Zeit, die sie braucht. Gewalt verursacht oft Angst und Unsicherheit. Deshalb dauert es manchmal, bis jemand Hilfe annehmen kann. Wichtig ist, dass ich zeige: Ich bin für sie da. Häufig können schon kleine Gesten oder ein unterstützendes Wort eine große Hilfe sein.
Hilfe & Beratung in Niederösterreich
Frauenberatung
Frauenberatungsstellen bieten kostenlose, anonyme und vertrauliche Hilfe, auch bei häuslicher Gewalt. Die Beraterinnen unterliegen der Verschwiegenheit und unterstützen bei psychosozialen, sozialen und rechtlichen Fragen. Beratung ist oft in mehreren Sprachen möglich. Viele Stellen sind ausschließlich für Frauen zugänglich und bieten einen geschützten Raum. Gewaltbetroffene Frauen finden hier Unterstützung, um neue Wege zu gehen und ihre Rechte wahrzunehmen.
Kontaktinfos:
Frauenhaus
Frauenhäuser bieten Frauen und ihren Kindern Schutz, wenn das Zuhause nicht mehr sicher ist. Eine Aufnahme ist jederzeit möglich. Hier finden Frauen, die Gewalt erleben, Unterkunft, Sicherheit und Unterstützung für ein eigenständiges Leben. Sie erhalten Beratung in rechtlichen, sozialen und finanziellen Fragen sowie Hilfe bei Job- und Wohnungssuche. Auch psychische Belastungen werden betreut. Die ersten Wochen sind kostenfrei, danach kann ein Beitrag anfallen. Alle Gespräche bleiben vertraulich, jedoch ist eine vollständig anonyme Unterbringung aufgrund öffentlicher Förderung nicht möglich.
Kontaktinfos:
Gewaltschutzzentrum
Gewaltschutzzentren gibt es in ganz Österreich. Sie helfen Frauen, ihre Rechte zu wahren. Wenn die Polizei eine gewalttätige Person der Wohnung verweist, wird das Zentrum informiert und bietet sofort Unterstützung an. Frauen können sich aber auch selbst melden. Die Zentren helfen, Betretungs- oder Annäherungsverbote zu verlängern, beraten zu Schutzmaßnahmen und begleiten Frauen in Strafverfahren gegen die gewalttätige Person. Sie bieten juristische und psychologische Unterstützung.
Kontaktinfos:
Gesundheitswesen
In niederösterreichischen Kliniken gibt es speziell geschulte Opferschutzgruppen, die bei Gewalt helfen. Diese Fachkräfte sichern auch forensische Beweise und bewahren sie für sechs Monate auf. Sie können für rechtliche Schritte gegen den Täter auch später wichtig sein. Alle Informationen werden vertraulich behandelt. Fachkräfte sind nur dann verpflichtet den Vorfall zu melden, wenn eine akute Gefahr für Leben oder Gesundheit besteht. Das Gesundheitswesen ist oft die erste Anlaufstelle für Frauen, die häusliche Gewalt erleben. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Therapeutinnen und Therapeuten unterstützen bei körperlichen und psychischen Folgen.